Wann müssen Reifen ersetzt statt nur gewechselt werden?
Ersetzt gehören Reifen, sobald das Profil aufgebraucht ist, der Gummi Risse zeigt oder die Flanke beschädigt ist. Jede dieser drei Feststellungen beendet die Lebensdauer unabhängig von den anderen.
Ein Schaden in der Flanke ist dabei die klarste Grenze: Dort arbeitet der Reifen bei jeder Umdrehung, und eine Beule oder ein Schnitt lässt sich nicht reparieren. Ein Nagel mitten in der Lauffläche ist dagegen oft instandsetzbar, solange der Einstich klein ist und der Reifen nicht mit zu wenig Luft weitergefahren wurde.
Welche Reifengröße darf ich fahren?
Zulässig ist jede Größe, die für dein Fahrzeug freigegeben ist. Welche das sind, steht in der Zulassungsbescheinigung Teil I unter „Bereifung" in den Feldern 15.1 bis 15.3 und vollständiger in der Übereinstimmungsbescheinigung des Herstellers.
Die Papiere nennen dabei häufig nur eine Größe, obwohl mehrere erlaubt sind – die weiteren führt der Hersteller in seinen Unterlagen. Wer eine Größe montieren will, die dort nicht auftaucht, braucht ein Gutachten und je nach Fall eine Eintragung. Die Werkstatt sagt dir vor dem Kauf, in welche dieser drei Lagen dein Wunsch fällt.
Woher weiß ich, welche Reifen für mein Auto freigegeben sind?
Neben der Größe müssen Tragfähigkeit und Geschwindigkeitsfreigabe mindestens so hoch sein wie vom Hersteller vorgesehen. Beides steht als Kennzahl und Buchstabe am Ende der Größenangabe auf der Flanke.
Für Winterreifen gibt es eine Ausnahme: Nach § 36 Absatz 5 StVZO dürfen sie eine niedrigere Geschwindigkeitskategorie tragen, wenn die zulässige Höchstgeschwindigkeit im Blickfeld der fahrzeugführenden Person angegeben oder angezeigt wird – durch Schild, Aufkleber oder eine Anzeige im Fahrzeug. Manche Hersteller verlangen zusätzlich eigene Freigaben, erkennbar an einer Kennung auf der Flanke – bei Fahrzeugen mit sehr straffem Fahrwerk ist das keine Förmlichkeit.
Müssen die Ventile mit erneuert werden?
Ja, und zwar bei jedem Aufziehen. Ein Gummiventil kostet wenig, altert aber unter Sonne und Streusalz und ist nur bei abgenommenem Reifen erreichbar.
Bei Rädern mit Drucksensoren wird das Ventil nicht komplett getauscht, sondern das Servicekit: Dichtring, Ventileinsatz und Mutter. Der Sensor selbst bleibt, solange seine Batterie hält. Diese Position ist der Grund, warum ein Reifenwechsel an einem Fahrzeug mit Sensoren regelmäßig teurer ausfällt als an einem ohne.
Sind Ganzjahresreifen eine Alternative?
Ganzjahresreifen sind ein bewusst eingegangener Kompromiss: Sie kommen im Winter weiter als ein Sommerreifen und im Sommer besser zurecht als ein Winterreifen, erreichen aber in keiner Lage deren Bestwerte.
Sinnvoll sind sie vor allem bei geringer Fahrleistung in milden Gegenden, weil dann der zweimalige Termin und die Lagerung des zweiten Satzes entfallen. Wer viel Autobahn fährt, häufig voll beladen unterwegs ist oder in einer schneesicheren Region wohnt, fährt mit zwei Sätzen sicherer.
Muss ich alle vier Reifen gleichzeitig ersetzen?
Mindestens achsweise, also immer beide Reifen einer Achse zusammen. Unterschiedliche Profile oder Profiltiefen links und rechts führen zu ungleichen Kräften beim Bremsen und in der Kurve.
Bei Fahrzeugen mit Allradantrieb verlangen viele Hersteller alle vier auf einmal, weil schon kleine Abweichungen im Abrollumfang die Kupplungen im Antriebsstrang dauerhaft belasten. Werden nur zwei neue montiert, empfehlen Fachleute die Hinterachse – dort entscheidet die Haftung darüber, ob das Heck bei Nässe ausbricht. Eine Vorschrift ist das nicht.
Was passiert mit den alten Reifen?
Die Werkstatt nimmt sie gegen eine Gebühr zurück und führt sie der Verwertung zu. Diese Position steht getrennt auf der Rechnung, weil sie je Reifen anfällt und nicht je Termin.
Altreifen gehören nicht in den Hausmüll und dürfen nicht offen gelagert werden. Je nach Zustand werden sie runderneuert, zu Granulat verarbeitet oder energetisch verwertet. Wer die alten Reifen mitnehmen möchte, sollte das beim Termin ansagen – sonst sind sie bereits im Container.
Was bedeuten die Zahlen auf der Reifenflanke?
Eine Angabe wie 205/55 R 16 91 V nennt nacheinander Breite, Verhältnis von Höhe zu Breite, Bauart, Felgendurchmesser, Tragfähigkeit und Geschwindigkeitsfreigabe.
Die 205 ist die Laufflächenbreite in Millimetern, die 55 der prozentuale Anteil der Flankenhöhe daran, das R steht für die Radialbauart und die 16 für den Felgendurchmesser in Zoll. Die 91 ist eine Kennzahl für die Traglast je Reifen, das V steht für die zulässige Höchstgeschwindigkeit. Diese beiden letzten Angaben werden beim Kauf am häufigsten übersehen.
Was sagt das EU-Reifenlabel aus?
Das Label bewertet drei Eigenschaften einheitlich: Kraftstoffeffizienz, Nasshaftung und das abgestrahlte Rollgeräusch. Die ersten beiden erscheinen als Klassen, beginnend bei A.
Nützlich ist es für den Vergleich innerhalb einer Größe, nicht als Gesamturteil: Trockenbremsweg, Verhalten bei Aquaplaning, Laufleistung und Komfort kommen darin nicht vor. Deshalb widerspricht ein gutes Label keinem schlechten Testergebnis – die beiden messen verschiedene Dinge.
Kann ich neue Reifen auf meine alten Felgen ziehen lassen?
In aller Regel ja – das ist der Normalfall dieser Leistung. Die Felge wird dabei im demontierten Zustand angesehen, und genau darin liegt ein zusätzlicher Nutzen des Termins.
Gegen eine Weiterverwendung sprechen Risse, ein sichtbarer Schlag oder eine stark korrodierte Dichtfläche. Der erste Fall ist ein Ausschlussgrund, der letzte lässt sich meist reinigen. Bei Stahlfelgen ist außerdem der Rand zu beachten, an dem die Wuchtgewichte sitzen – ist er verbogen, läuft das Rad auch nach dem Wuchten unrund.
Wie lange dauert ein Reifenwechsel?
Für einen kompletten Satz ist rund eine Stunde anzusetzen. Jedes Rad durchläuft Abdrücken, Aufziehen und Wuchten einzeln, und diese Schritte lassen sich nicht parallel erledigen.
Länger wird es, wenn Sensoren angelernt werden müssen, Felgen festgerostet sind oder ein Rad nach dem ersten Wuchtgang nicht ruhig läuft. Die meisten Betriebe planen den Termin deshalb als Wartetermin mit etwas Luft und nicht auf die Minute.